31.08.2018 | Anke Braun

Herbstthema 2018

Schaderreger am Apfelhochstamm

Phytoplasmen, Viren, Bakterien und Pilze

Unser Herbstthema 2018 beschäftigt sich mit der Betrachtung der Schädigung von Frucht und Holz durch Schaderreger.

Die Schaderreger haben im Streuobstanbau ihre größte Bedeutung hinsichtlich der Baumgesundheit; hier ist den pflanzenschädigenden Erregern entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken, da diese existenzielle Schäden am Baum hervorrufen können bis hin zum Absterben oder der Notwendigkeit der Rodung zum Schutz weiterer Apfelbäume. Zusätzlich werden auch einige fruchtschädigende Erreger betrachtet, die vor allem im Anbau von Tafel- oder Lagerobst große Ernteausfälle bewirken können, oder eine Begleiterscheinung der pflanzenschädigenden Erreger sind. Durch die unterschiedlichsten Wirkungsweisen in der Pflanze bringen Schaderreger Schädigung an Blatt, Frucht und Rinde oder Holz hervor. Die verschiedenen Erreger werden kurz betrachtet und nachfolgend die wichtigsten durch sie hervorgerufenen Krankheiten beschrieben.

Pilze

Pilze sind die bedeutendsten Krankheitserreger. Es sind Organismen; die sich nicht selbstständig ernähren können. Je nach Art zersetzen sie lebendes oder abgestorbenes Pflanzenmaterial; sind also auf das Vorhandensein von organischer Substanz angewiesen. Bei einigen Krankheiten werden nur die Folgen der Infektion ersichtlich, bei anderen treten die Pilze selbst in Erscheinung. Die meisten Pilze vermehren sich sowohl geschlechtlich als auch ungeschlechtlich. Die Sporen aus asexueller Entwicklung sind vornehmlich für die massenhafte Verbreitung verantwortlich, wobei die Sporen aus sexueller Vermehrung der Erhaltung und Überdauerung der Pilze in ungeeigneten Zeiträumen dienen. Verbreitung über Pilzsporen durch Luftbewegung, Tiere, Regenspritzer oder Werkzeug. Manche Pilze brauchen natürliche Öffnungen oder Wunden um ins Pflanzengewebe zu gelangen, andere sind imstande selbständig mit ihrem Keimschlauch in die Pflanze durch die gesunde Epidermis hindurch einzudringen. Unbedingt notwendig für dieses Eindringen ist jedoch Feuchtigkeit, damit die Pilzsporen auf Blüten, Blättern oder Früchten keimen können. Empfindlichkeit gegenüber Pilzen sehr sortenspezifisch.

Obstbaumkrebs

Befallene Rindenstellen verfärben sich orange-braun, fallen ein, werden rissig und sterben ab. Obstbaumkrebs tritt häufig in Gabelungen, nahe Schnittzapfen und anderen Verletzungen auf. Die anhaltenden Überwallungen, die sogenannte Kallusbildung, die zu den typischen Wucherungen führen kann, sind anhaltende Abwehrmechanismen der Pflanze. Die Wucherungen behindern Wasser- und Nährstofftransport; Kümmerwuchs oberhalb befallener Stellen ist darum oft die Folge. Die Rinde kann sich ablösen und das Splintholz liegt offen - eine mögliche Eintrittspforte für weitere Krankheiten.

Krebsstelle Altbaum / Foto – Anke Braun

Gefährdet sind vor allem Jungbäume. Hier kann der Krebs bei vielen Neuinfektionen zum Absterben des ganzen Baumes führen, wohingegen ältere Bäume vermehrt nur astweise geschädigt werden. Bei Jungbäumen besteht hinsichtlich Ausbreitung der Krankheit zudem der Verdacht, dass sich das Myzel am Baum ausbreitet und für viele Neuinfektionen sorgt.

Obstbaumkrebs am Jungbaum - mehrfache Infektionesherde / Foto – Anke Braun

Bei älteren Bäumen kann der Krebs durch anhaltende Kallusbildung komplett überwallt werden, es entsteht ein geschlossener Obstbaumkrebs. Die Ausbreitung erfolgt durch Sporen, die mehrere hundert Meter weit fliegen. Der Infektionsschwerpunkt liegt im Herbst; hier entstehen mit Blattfall und Ernte viele Wunden, über die der Pilz eindringen kann. Es werden jedoch auch über die Sommermonate Sporenlager gebildet, wodurch eine Infektion zu fast jeder Jahreszeit möglich ist. Die Überwinterung findet als Mycel in den Pflanzen oder aber auch auf abgestorbenen Zweigen statt. Neben der Entsorgung des Schnittgutes ist daher ein rechtzeitiges Ausfräsen und Ausschneiden der Befallsstellen wichtig, da sich an abgestorbenen Rindenpartien rote oder fahlgelbe Sporenlager bilden, die im Sommer für eine weitere Übertragung der Krankheit sorgen können.
Der gleiche Erreger führt an Früchten zu Braunfäulesymptomen, meist ausgehend von Kelch- oder Stielhöhle. Hier findet die Infektion zu Ende der Blüte statt. Die Verbreitung des Erregers erfolgt durch Regen, Wind und Insekten oder Werkzeuge.
Vorbeugende Maßnahmen:
Da eine gewisse Sortenempfindlichkeit besteht, sollte die Auswahl resistenter Sorten und Unterlagen bedacht werden. Günstige Standorte und eine ausgewogene Nährstoffversorgung und der Schutz vor Verletzungen sind vorbeugend wirksam. Befallene Stellen ausschneiden, bzw. befallene Baumteile bis ins gesunde Holz zurückschneiden und nachfolgend das Schnittmaterial entsorgen/verbrennen.

Ausgeschnittene Krebsstelle Jungbaum / Foto – Anke Braun

Der Winterschnitt in befallenen Anlagen sollte bei trockener Witterung erfolgen und das Schneidewerkzeug nachfolgend desinfiziert werden.

Kragenfäule

Die Kragenfäule wird durch einen pilzlichen Erreger hervorgerufen, der in natürlicher Weise in den Böden vorkommt. Bei länger anhaltendem Regenperioden und einer Bodentemperatur über 15°C kann eine Infektion durch Zoosporen aus dem Erdreich oder von befallenen Früchten ausgehend ausgelöst werden. Standorte mit staunassen oder humusarmen Böden sind befallsgefährdet, da hier eine gute Vermehrung des Erregers stattfinden kann. In der Zeit vor der Blüte besteht die höchste Infektionsgefahr. In der Vegetationsruhe sind die Erreger nicht aktiv. Sie überwintern auf infiziertem Fallobst oder im Boden, wo sie mehrere Jahre überdauern können. Symptome treten erst ab dem 5. Standjahr- gerne im 8-10 Lebensjahr des Baumes auf. Generell schädigt der Pilz nur das Rindengewebe, in welches er durch kleinste Wunden eindringt. Er bringt dieses zum Absterben, wodurch sich die Rinde löst, das Splintholz frei liegt und weitere holzschädigende Erreger eintreten können.

Kragenfäule oberhalb Veredelungsstelle / Foto – Anke Braun

Die Kragenfäule kann an unterschiedlichen Orten des Stammes in Erscheinung treten. Dies ist oberhalb der Veredelungsstelle an der Edelsorte; im oberen Teil der Unterlage mit Beteiligung der Wurzel oder an der Wurzel (zumeist an Steinobst). Die erste Form betrifft den Stamm oberhalb der Veredlungsstelle, dicht bei der Grenze von Unterlage zu Sorte. Bei der zweiten Form zeigen die Unterlage und ein Teil des Wurzelwerks Schadsymptome - von der Veredlungsstelle bis zu den Wurzeln in eine Tiefe von 20–30 cm. Dieser Typ der Krankheit ist beim Apfelbaum am häufigsten vorzufinden.

Kragenfäule an Unterlage / Foto – Anke Braun

Zunächst werden kleine, weiche Faulstellen sichtbar, welche sich ausweiten und bald den gesamten Stamm umfassen können. Das erkrankte Rindengewebe sinkt ein und verfärbt sich violett, später braun. Es grenzt sich durch Risse deutlich vom gesunden Gewebe ab. Schneidet man die Befallsstellen an, erinnert der Geruch an Bittermandelöl. Im Ertragsalter verlieren die Bäume plötzlich ihre Wuchskraft; der Jahrestrieb bleibt kurz oder bleibt gänzlich aus. Dies resultiert aus der Zerstörung des Gefäßsystems und daraus folgender eingeschränkter Nährstoffzufuhr. Das Blattwerk hellt sich auf und eine frühzeitige rötliche Verfärbung und Laubfall sind die Folge. Die Früchte bleiben kleiner, sind frühzeitig ausgefärbt und bleiben meist notreif am Baum hängen. Der Fortgang der Krankheit ist relativ langsam - innerhalb von zwei bis 4 Jahren kann der Baum jedoch gänzlich absterben.

Folgen Kragenfäule / Foto – Anke Braun

Es können auch direkt die Früchte befallen werden. Die Fruchtschale ist dann an der Oberfläche dunkelbraun verfärbt, innen heller; Gefäße und Kernhaus sind auffallend gebräunt. Das Fruchtfleisch bleibt hell und behält auch nach dem Verfaulen seine Struktur.

Vorbeugende Maßnahmen
Die Erreger brauchen viel Feuchtigkeit, um sich stark vermehren zu können. Auf tonreichen und zu Staunässe neigenden Standorten sollten nur unempfindliche Sorten und Unterlagen gepflanzt werden. Durch Zwischenveredlung mit einer nichtanfälligen, stammbildenden Sorte kann die Sortenanfälligkeit umgangen werden. Die Verunkrautung um den Stamm sollte niedrig gehalten werden. Dies sorgt für ein schnelles Abtrocknen nach Regenfällen und verschlechtert für den Pilz die mikroklimatischen Bedingungen an der Stammbasis. Kompostgaben bei humusarmen Böden sollen belebend wirken und die antagonistisch wirksamen Bodenorganismen unterstützen. Auch das Ausbringen von Rizinusschrot und die Einsaat mit Kreuzblütlern wie Senf, Ölrettich oder Raps fördern die Antagonisten der Pilze. Eine Verringerung des Sporenangebots wird durch das Entfernen aller faulenden Früchte erreicht. Herausschneiden befallener Stellen; Kupferbehandlung im Stammbereich während Hauptinfektionszeit, vor und während der Blüte.

Rindenbrand

Schadpilzbefall als Schwächeparasit, der die Pflanzen symptomlos befallen kann und erst bei auftretender Schwächung - Trockenstreß, Nährstoffmangel, Frostschäden - Symptome hervorruft. Betroffen sind vor allem Stamm und Starkäste. Hier zeigen sich flach verlaufende, zum gesunden Gewebe scharf abgegrenzte Verbräunungen des äußeren, abgestorbenen Rindengewebes. Vermehrt sind Risse und Verletzungen zu finden, die nicht richtig verheilen - es erfolgt keine Wundkallusbildung und die betroffenen Rindenpartien färben sich schwarz.

Rindenbrand am Jungbaum - nicht verheilende Wunden / Foto – Anke Braun

Das Kambium stirbt flächig ab und das Splintholz kann offenliegen. Auch Splint- und Kernholz können betroffen sein – dies v.a. wenn der Erreger durch mechanische Verletzung oder aufgrund von Insektenfraß der Weg in und durch das zentrale Kambium ermöglicht wird. Bei starkem Befall kann Baum absterben.

Vorbeugende Maßnahmen:
Standortwahl beachten – bevorzugt tiefgründiger Boden mit ausreichender Nährstoff- und Wasserversorgung. Stärken der Widerstandskraft, Bewässerung bei anhaltender Trockenheit (100 L pro Baum), Baumscheibe freihalten; Wasserkonkurrenz zwischen Gras und Bäumen gering halten. Wenn nötig düngen. Vermeiden von Verletzungen (Wildverbiss- und Wühlmausschutz) und großer Schnittflächen. Schnittmaßnahmen im Winter bei trockener und frostfreier Witterung. Schnitt und Altholz unbedingt nach Schnitt entfernen und vernichten, da Pilz seine Vermehrungsorgane bevorzugt auf absterbendem und totem Holz ausbildet. Sitzstangen für Greifvögel. Die Pflanzung von Jungbäumen sollte optimal zwischen November und März erfolgen - zur besseren Einwurzelung in feuchtem Boden.

Fruchtmonilia/ Triebmonilia

Befall vor allem von Früchten, seltener von Trieben und Blüten. Auf reifenden oder reifen Früchten entstehen braune, faulende, nicht einsinkende Stellen auf denen später graue polsterförmig häufig in konzentrischen Ringen angeordnetete Konidienlager zu erkennen sind. Die Faulstellen vergrößern sich bis sie die ganze Frucht einnehmen. Die Früchte schrumpfen, fallen ab oder bleiben am Baum als Mumien hängen. In dunklen Lagerräumen ruft die Erkrankung die „Schwarze Fruchtfäule“ hervor. Die befallenen Früchte sind dunkel glänzend und ledrig – es werden hier jedoch keine Konidiophoren gebildet. Das Myzelium kann aus Früchten heraus in die verholzten Baumteile eindringen und dort im Gewebe oder in befallenen Früchten überwintern. Im Frühjahr werden neu gebildete Sporen durch Wind und Insekten verbreitet. Der Erreger dringt dann über Verletzung bei den Früchten oder über Narben bei Blüten in die Pflanze ein. Dies geschieht vor allem bei regnerisch warmer Witterung – Nässe und Luftfeuchte sind unbedingt notwendig für eine Übertragung.
Monilia Spitzendürre – verwandter Pilz zu Monilia-Fruchtfäule, findet sich selten am Apfel.
Blütenbüschel und ganze Triebspitzen beginnen nach der Blüte zu welken und werden nach einigen Tagen dürr. Die vertrockneten Blüten werden nicht abgestoßen, sondern bleiben am Baum hängen. Die Pilze überwintern auch hier in befallenen Blüten und Triebspitzen, so dass bei nicht Entfernen dieser der Baum nach und nach immer schwächer wird und innerhalb weniger Jahre absterben kann. Die Infektion der Spitzendürre erfolgt nur über die Blütenorgane. Pilzsporen keimen in der Blüte, der wachsende Keimschlauch arbeitet sich über den Blütenstiel in den Trieb vor und wuchert in diesem. Der äußere Teil des Triebes wird dürr und die Früchte werden infiziert.

Vorbeugende Maßnahmen:
Vermeidung von Verletzung der Früchte durch Insekten, Hagel und Pflückschäden. Regelmäßige Pflege mit aufgelockerter Baumkrone. Fruchtausdünnung bei zu dichtem Behang. Befallene Pflanzentriebe und Früchte – vor allem Mumien - regelmäßig entfernen.

Mehltau

Mehltaukranke Bäume sind gut zu erkennen an graugelbem, lückenhaften Laubwerk und entlaubten Triebspitzen. Eine Infektion findet nur an jungem Gewebe statt. Blätter, besonders an Triebspitzen, und auch Blüten sind schon unmittelbar nach Austrieb mit mehligem Belag (Myzelbelag) überzogen. Sie degenerieren, vertrocknen vom Rand her und sterben ab. Befallene Triebspitzen deformieren und bleiben in Entwicklung zurück; Blütenblätter deformieren und vergrünen, Staubgefäße wachsen zusammen und die Pollen keimen nicht. Von Frühsommer an Erkrankung immer neuer Triebspitzen. Bei starkem Befall auch Befall von Früchten empfindlicher Sorten möglich; dies zeigt sich durch eine netzförmige Berostung der Fruchtschale. Eine Folge ist die Verminderung der Assimilationsleistung der Blätter; dies führt zu kleinen Früchten, Hemmung von Triebwachstum und Fruchtansatz. Die Bäume werden von Jahr zu Jahr immer schwächer. as Pilzgewebe überwintert zwischen Knospenschuppen oder in befallenen Trieben. Stark und frühzeitig infizierte Knospen sterben bei starkem Frost ab. Befallene Knospen sind an leicht gespelzten Knospenschuppen zu erkennen. Im Frühjahr austreibende infizierte Knospen sind von Beginn an mit Pilzbelag überzogen. Über diese Infektionsherde, werden die neu gebildeten Pilzsporen mit dem Wind verbreitet. Der Mehltau ist ein „Schönwetterpilz“ – die Infektion neuer Knospen und Triebe findet an warmen Tagen mit darauffolgenden taureichen Nächten statt, nicht jedoch bei Regen.

Vorbeugende Maßnahmen:
Pflanzung wenig empfindlicher Sorten, Bei Winterschnitt auf möglicherweise befallene Knospen/Triebe achten und bis ins gesunde Holz zurückschneiden. Untersuchung der Bäume mehrmals während Austrieb und Blüte auf infizierte Triebe und entsprechender Rückschnitt derselben – bestenfalls nach Regenfällen. Maßnahmen die einen frühen Triebabschluss und ein „ruhiges Triebwachstum„ fördern. Vermeidung von Überdüngung mit Stickstoff, lockerer Kronenaufbau.

Schorf

Befall von Blättern, Früchten, Blüten und Trieben, besonders im frühen Wachstumsstadium. Schwärzlich-grüne bis olivbraune Flecken, die sich später rußähnlich auf beiden Blattseiten zeigen. Es werden Nekrosen gebildet, die zusammenfließen und zur Einschränkung der Assimilationsleistung der Blätter führen; evtl. findet ein vorzeitiger Blattfall statt. An den heranwachsenden Früchten bilden sich unregelmäßig braunschwarze Flecken - die Verschorfung, die zu einem ungleichen Wachstum der Schale und somit zu nachfolgender Rissbildung bis hin zur Deformation der Früchte durch unregelmäßigen Wuchs führt. Die Risse sind oft eine Eintrittspforte für sekundäre Fäulniserreger. Ein Befall führt zu Ertragsausfällen und Qualitätsverlusten der Äpfel. Der spätere Befall reifer oder reifender Früchte erfolgt meist nur in Form kleiner schwarzer Punkte, ein Aufplatzen der Schale erfolgt meist nicht hierdurch. In dieser Art ist der Befall auch auf dem Lager möglich. Stark befallene Blüten und kleine Früchte fallen meist ab. Triebe sind über mehrere Wochen hochanfällig, da sie immer wieder nachwachsen und folglich immer neue, junge Abschnitte aufweisen. Triebschorf spielt als primäre Infektionsquelle eine große Rolle im Folgejahr. Besondere Gefährdung gilt bei starkwüchsigen Anlagen. Die Überwinterung erfolgt saporphytisch an Blättern – d.h. an totem Gewebe, gefallenem Laub - aber auch parasitisch am Baum. Infiziert werden nur nasse Pflanzenteile. Die Sporenausreifung erfolgt dann im Frühjahr des Folgejahres. Verteilung über Wind, Infektion bei Temperaturen im Bereich von 16-22°C und gleichzeitig länger anhaltender Blattnässe.
Vorbeugende Maßnahmen:
Reduzierung des Sporenpotentials im Frühjahr, Mulchen bzw. Einfräsen des alten Laubes, Förderung des Falllaubabbaus, Förderung von Regenwürmern (keine Kupferspritzungen, wenig mechanische Bodenbearbeitung). „Ruhiges Triebwachstum“, bedarfsgerechte Stickstoffdüngung, ausgewogene Schnittmaßnahmen, Sommerschnitt erst Mitte/Ende August. Verkürzung des Zeitraums mit hochanfälligen Pflanzenteilen. Gute Durchlüftung von Baumreihen und Bäumen, lockerer Kronenaufbau. Kalkstickstoffausbringung im März – fördert Zersetzung des Fallaubes. Angepasste Sortenwahl, bestenfalls offene Lage. Entfernung befallener Blätter durch Falllaubsauger zur Minderung Sporenpotentials im Frühjahr. Winterschnitt nachfolgend durchführen.

Blattfleckenkrankheit „Massroninia“

Flecken und Verfärbungen auf Blättern, die in einem vorzeitigen Blattfall enden. Kleine Flecken wachsen zu größeren, braun bis grauschwarzen nekrotischen Blattflecken; zusammenlaufend oder in schwarzen Linien verästelnd. Gelbfärbung der Blattflächen zwischen den Flecken. Die Früchte bleiben hängen. Durch massiven Blattverlust niedriger Fruchtansatz im nächsten Jahr aufgrund der verminderten Assimilationsleistung. Der Erreger überwintert im Falllaub und infiziert im Folgejahr die entwickelten Blätter ab der Blütezeit, wobei eine längere Zeit nasse Blätter und Temperaturen von über 20°C den Befall begünstigen.
Vorbeugende Bekämpfung:
Lockere Baumkronen für schnelles Abtrocknen der Blätter. Beseitigung vorjährigen Laubes vor Frühjahr (Laubsauger). Verringerung der Sporenbildung und Förderung der Laubzersetzung durch Gabe von Kalkstickstoff im März. Zerkleinern des Falllaubes (mulchen) zur Förderung des Blattabbaus.

Rußfleckenkrankheit, Regenfleckenkrankheit

Flecken auf Früchten, die wie Schmutz wirken, Rußflecken oder Regenflecken – in Wahrheit das Mycel des Pilzes. Spätreifende Sorten sind anfälliger, da sich Krankheit über längeren Zeitraum aufbauen kann. Hohe Infektionsgefahr bei anhaltend feucht-kühler Witterung. Es handelt sich hier um eine reine Fruchtverschmutzung für die mehrere pilzliche Erreger verantwortlich sind. Mitte Juli sind die ersten Symptome auf Äpfeln zu finden: schwarze, verwaschene Flecken, welche sich im Laufe des Sommers langsam über die gesamte Fruchtschale ausdehnen. Es werden nur die Früchte befallen, Blätter und Triebe zeigen keine Symptome und der Belag kann abgerieben oder abgewaschen werden. Die Pilze leben oberflächlich in der Wachsschicht der Äpfel, sie dringen nicht in die Fruchtschale ein. Sie ernähren sich wahrscheinlich vom Apfelsaft, welcher durch Feinrisse der Cuticula während des Wachstums aufsteigt.Der Pilz wächst im Lager weiter.
Ähnlich ist die Fliegenschmutzkrankheit – anderer pilzlicher Erreger, ansonsten ähnliche Lebensweise.
Vorbeugende Maßnahmen und Bekämpfung:
Schnelle Abtrocknung von Blättern und Früchten gewährleisten durch belichtete und belüftete Krone. Vorbeugend sollten alle Maßnahmen ergriffen werden, welche Licht und Luft in die Baumkrone bringen und so das schnelle Abtrocknen der Bäume fördern. Ein hoher Bewuchs im Baumstreifen staut die Nässe und wirkt daher befallsfördernd.

Bakterien

Bakterien sind Kleinstlebewesen in verschiedener Form. Sie vermehren sich durch Teilung und können sich teils selbstständig fortbewegen. Sie dringen durch natürliche Spaltöffnungen oder auch durch Wunden wie Frostschäden, Insektenstiche, Fraßverletzungen und Blattnarben in die Pflanze ein. Eine Übertragung findet durch Insekten, Tiere und Menschen, Schnittwerkzeuge (Schmierinfektion) oder verseuchte Böden statt, sowie auch durch Bakterienexsudate (Bakterienschleim).

Feuerbrand

Infektion meist über Blüte und Triebe. Die Hauptinfektionszeit ist im Frühjahr, wobei eine Triebinfektion bis Triebabschluss anhaltend möglich ist. Ein nachfolgender Befall von Trieben, größeren Ästen oder Stamm ist durch beide Infektionsweisen möglich. Der erreger dingt über Blüten, Stomata und Lentizellen oder Wunden ein. Die Überwinterung findet an befallenen Rindenteilen, vor allem am Rand von Nekrosen statt. Infizierte Pflanzenteile sind zunächst wässrig, dann welken sie, verfärben sich bräunlich oder schwärzlich und vertrocknen.

Befallener Trieb – Foto Anke Braun

Typisch für den Feuerbrand ist die Schleimbildung an befallenen Blüten, Früchten oder auch Rinde. Befallene Rindenpartien sinken ein und färben sich rotbraun, sog. „Canker“. Das Austreten von Bakterienschleim birgt eine große Gefahr für Neuinfektionen. Eien Schmierinfektion ist unbedingt zu vermeiden. Bei Befall starker Äste oder Stamm ist die Rodung des Baumes unumgänglich. Im Herbst bleiben tote, wie verbrannt aussehende Blätter und auch Früchte an befallenen Zweigen hängen. Bei Anschnitt der Übergangszone vom gesunden zum kranken Gewebe zeigt diese zunächst keine scharfe Abgrenzung auf und ist feucht. Eine Pilzinfektion wäre trocken mit zumeist scharfliniger Abgrenzung. Später ist der Übergang scharflinig. Eine Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit der Triebspitzenmonilia (Spitzendürre). Im kommenden Frühjahr findet eine erneute Bakterienschleimbildung an den befallenen Stellen statt. Die Infektion erfolgt vor allem bei lauwarmer Witterung und hoher Luftfeuchte. Übertragung des Erregers durch Bestäuber, aber auch durch Wind, Wasser, befallenes Pflanzenmaterial, Schnittwerkzeug, Kleider und andere Tiere. Der Erreger ist an geschütztem Ort über mehrere Monate lebensfähig.

Maßnahmen zur Bekämpfung:
Bei Befall einzelner Triebe sollte bis 30-40 cm ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden. Stärker befallene Bäume sind unbedingt zu roden und das verseuchte Material ist bestenfalls an Ort und Stelle zu vernichten (verbrennen). Anfällige Pflanzenbestände in einem Umkreis von 500m ab Blüte und im Vorsommer regelmäßig auf Feuerbrandsymptome kontrollieren. Schnittmaßnahmen in gefährdeten Anlagen erst nach Triebabschluss und bei trockenem Wetter. Infizierte Pflanzen dürfen keine anderen Wirtspflanzen berühren. Verwendete Geräte nach Gebrauch desinfizieren.

Bakterienbrand

Leicht mit Feuerbrand zu verwechseln. Infiziert werden Blätter, Triebe, Früchte und ganze Äste. Befallene Blüten und Früchte verfärben sich bräunlich. Absterbeerscheinungen an Blütenbüscheln, etwas in den Trieb hineinreichend, dann aber stehen bleibend und scharf vom gesunden Gewebe abgegrenzt. Schwärzliche Flecken an Triebbasis; Befall auch unverholzter Triebe. Fruchtsymptome in Form kleiner schwärzlicher Flecken. Komplett trieb-, ast- oder stammumfassend kann Befall zu Absterben oberhalb Befallsstelle führen. Infektionen der Blütenorgane verstärkt bei Frostereignis. Triebinfektionen vor allem an wüchsigen Bäumen (Jungbäume). Überdauerung Erreger in Holzwunden und Knospen. Infektion bei feuchtkühler Witterung bei Knospenaustrieb im Frühjahr und im Herbst.
Maßnahmen zur Bekämpfung:
Begrenzte Wirkung von Kupfer. Ausgeglichenes Triebwachstum fördern. Befallene Blütenbüschel ausschneiden und aus Anlage entfernen/verbrennen.

Phytoplasmen

Phytoplasmen sind zellwandfreie Bakterien. Sie sind vom Stoffwechsel der Wirtspflanze abhängig und werden von Zikaden und sonstigen Blattsaugern übertragen, die am Phloem saugen. Außerhalb von Insekten oder Wirtspflanze sind sie nicht lebensfähig. Symptome sind Blattvergilbungen, Nekrosen und Wuchsanomalien.

Apfeltriebsucht (Besenwuchs)

Vergrößerte, scharf gezahnte Nebenblätter an Kurztrieben. Vorzeitiger Austrieb der Seitentriebe, verkürzter Haupttrieb, dadurch Bildung sogenannter „Besen“. Verkleinerte Früchte, die nicht richtig ausreifen. Ertragsminderung und Wuchshemmung. Streuobstbäume sind häufig befallen, Symptome in Altersphase aber nur nach starken Schnittmaßnahmen. Übertragung des Erregers durch Sommerapfelblattsauger und Zikaden, aber auch durch vegetative Vermehrung und Wurzelverwachsungen. Bäume mit schlechter Ertragsentwicklung noch lange lebensfähig, bleiben jedoch Infektionsherd. Keine direkte Nachpflanzung an gleicher Stelle.

Gummiholzkrankheit

Triebe, Äste und Stämme verholzen nicht aufgrund ungenügender Lignineinlagerung; bleiben extrem biegsam. Unter Fruchtlast bogenförmiges Durchbiegen und Bruch. Übertragung durch vegetative Vermehrung und Wurzelverwachsungen.

Viren

Viren haben keinen Zellkern und keine Zellwand. Sie sind auf den Stoffwechsel ihrer Wirtszelle angewiesen und sind nicht eigenständig vermehrungsfähig, besitzen jedoch alle notwendigen Informationen zur Vermehrung, die dann über den Synthese-Apparat des Wirtes ausgeführt wird. Eine Vermehrung in der Pflanze findet von Zelle zu Zelle, die Übertragung findet durch saugende und stechende Schädlinge, durch Veredlung mit befallenem Material, durch Arbeitsgeräte oder auch über den Boden statt. Eine direkte Bekämpfung der Schaderreger ist kaum möglich - kranke Pflanzen sollten entfernt und saugenden Insekten entgegengewirkt werden.

Apfelmosaik

Gelbgrüne bis gelbweiße band- oder fleckenförmige Verfärbungen der Blätter. Bei starkem Befall Absterben der Blätter von Mitte aus und Verformung. Symptome besonders im Frühsommer, später meist symptomfrei. Befall oft nur einzelner Blätter oder Teile der Krone. Empfindliche Sorten nach 4-5 Jahren komplett befallen. Folgen: Wachstumsverzögerung, Ertragsminderung und Qualitätsverschlechterung der Früchte. Übertragung durch vegetativer Vermehrung, über Pollen, Samen und Wurzelverwachsungen sowie Arbeitsgeräte. 1 Bild

Blasiger Rindenkrebs

Im Frühjahr blasige Austreibungen an Rinde von ein- bis zweijährigen Trieben. Später Platzen, Schälen und nachfolgend Absterben der Rinde. Krebsartige Veränderungen führen zu Absterben stark befallener Äste. Folgen: Vermindertes Wachstum, geringeres Blühen, lichte Kronen. Übertragung durch vegetativer Vermehrung.

Flachästigkeit

Vermehrung des Virus stört Stoffwechseltätigkeit des Wirtes - Vertiefungen (Rillen), Verflachungen oder Verdrehungen an Stamm und Ästen. Folgen: mangelhafte Laubbildung, nachlassende Fruchtbarkeit. Baumteile oberhalb betroffener Stellen sind geschwächt und brechen leicht.

Ungleichmäßig wachsender, abgeflachter Zweig / Foto – Pflanzenschutzamt Berlin

Vorbeugemaßnahmen

Pilzerkrankungen:
Vermeidung von Infektionen durch die Verbesserung der äußeren Konditionen, die die Baumgesundheit positiv beeinflussen. Dies ist ein ausreichendes Nährstoffangebot, Versorgung mit Wasser, Pflegemaßnahmen wie Schnitt und Schutz vor anderen Krankheiten und Insekten. Alle Maßnahmen, die ein schnelles Abtrocknen der Pflanzenteile begünstigen, sind hilfreich, die Infektion zu unterbinden. Insbesondere sind dies ausreichend Baumabstand, luftige Baumkronen, Bewässerung nur des Bodens, nicht der ganzen Pflanzen. Zudem sollten befallenen Pflenzenteile zum Schutz vor Neuinfektion entfernt und vernichtet werden. Zwischenwirtpflanzungen ungewollter Pilzerreger sind ebenfalls zu vermeiden. Bei der Sortenauswahl sollte eine bewusste Kompromissfindung zwischen Vor- und Nachteilen der gewünschten Obstsorte beachtet werden. Es sollte zudem auf die richtigen Zeiten zum Düngen geachtet werden sowie einer der Pflanze entsprechende Düngung, bestenfalls nach einer Bodenprobe. Dies fördert ebenso wie die Ausbildung der Baumform entsprechend Unterlage und Edelsorte eine ausgewogene Triebbildung. Hinsichtlich Versorgung mit Wasser und nährstoffen ist die Standortwahl entsprechend den Bedürfnissen der Pflanze zu treffen.

Phytoplasmen und Viren:
Eine bestehende Infektion durch diese Erreger ist in der Streuobstwiese nicht zu bekämpfen. Aber auch im Ertragsobstbau gibt es keine Mittel zur effektiven Bekämpfung – der Erreger kann nicht mehr aus dem Baum entfernt werden. Bei einigen Erkrankungen wirkt der Baum äußerlich gesund oder vital; er bleibt jedoch ein Infektionsherd für andere Bäume. Der Erreger wird zumeist durch krankes Vermehrungsmaterial oder infizierte Jungbäume in die Streuobstwiese gebracht und kann dort auf weitere Bäume übertragen werden. Bei unklarer Sachlage, ob ein Befall vorliegt ist daher Sauberkeit und Desinfektion von Arbeitsgeräten unbedingt notwendig um eine weiterführende Infektion zu vermeiden. Generell ist gesundes, erregerfreies Ausgangsmaterial zu Vermehrung oder Veredelung die beste Krankheitsbekämpfung – wärmebehandeltes Vermehrungsmaterial aus einer zertifizierten Baumschule. Befallene Bäume sind zu roden und zu verbrennen, um Infektionsherde zu beseitigen.

Bakterien:
Für Erkrankungen durch Bakterien gelten ähnliche Maßnahmen wie bei der Bekämpfung von Phytoplasmen und Viren. Jedoch ist hier in einigen Fällen möglich, die Pflanze durch Rückschnitt einzelner betroffener Pflanzenteile bis ins gesunde Gewebe vom Befall zu befreien.

Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich für die zur Verfügung gestellten Informationen und vor allem für die Bildquellen, durch die eine Erkennung der behandelten Krankheiten für den Leser nochmals einfacher wird.


Quellen:
„Leitfaden der Schädlingsbekämpfung“; Band 2, Prof. Dr. Kurt Heinze, 1978, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; „Apfelanbau – integriert und biologisch“, Prof. Dr. Manfred Fischer, 2002, Verlag Eugen Ulmer GmbH+Co, Wollgrasweg 41, 70599 Stuttgart; „Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz“; 8. Auflage, Horst Börner, Springer Verlag, Berlin Heidelberg, 2009 „Handbuch der Pflanzenkrankheiten“; Band 5, Prof. Dr. H. Blunck, 1954, Paul Parey in Berlin und Hamburg, Verlag für Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwesen, Berlin SW 68, Lindenstraße 44-47; „Mein gesunder Obstgarten – Großer Krankheits- und Schädlingskalender“; Adalbert Griegel, 2001, Griegel Verlag, Waldstraße 1, 55452 Dorsheim; „Lucas`Anleitung zum Obstbau“, von Prof. Dr. Fritz Winter, überarbeitet von einem Autorenkollektiv, 32. Auflage, 2002, Eugen Ulmer GmbH&Co., Wollgrasweg 41, 70599 Stuttgart „Alte Apfel- und Birnensorten für den Streuobstbau“; Dieter Grill/Herbert Keppel, Leopold Stocker Verlag, Graz – Stuttgart, 2005, 3. Auflage 2014 „Pflanzenkrankheiten“; Fritz Schönbeck, Teubner Studienbücher der Biologie, Auflage 1979, Vieweg und Teubner Verlag; „Atlas der Krankheiten, Schädlinge und Nützlinge im Obst- und Weinbau“; Fischer-Colbrie, Groß, Hlucky, Hofmann, Pleininger, Stolz, Leopold Stocker Verlag, Graz – Stuttgart2015
Wikipedia_180126 https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia; „Neuartiger Rindenbrand im Streuobstanbau“ Forschungsanstalt Geisenheim, Campus Magazin, 3_2010:, Oliver Martinez; KOB, Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee