20.08.2026 | Anke Braun

Herbstthema 2026

Veredelung von Apfelbäumen

Unsere Apfelbäume sind kultivierte Pflanzen, die ursprünglich aus einer Wildform herausgezüchtet wurden. Sie sind in der Regel veredelt, was bedeutet, dass zwei Teile verschiedener aber miteinander verwandter Pflanzen zusammengefügt werden.

Historie

Veredelt wurde bereits in der Antike. In früherer Zeit suchte man eine Unterlage gerne im direkten Umfeld. Es waren Zufallssämlinge an Wald- und Wegrändern, an Stellen mit Abfällen aus Trester, welche gut wuchsen oder im Umfeld einen Baum mit guten Eigenschaften hatten, die zur Veredelung genutzt wurden. Hieraus ergab sich ein sehr uneinheitliches Saatgut und der Erfolg war nicht immer gegeben; als Folge der Mischerbigkeit waren im Nachhinein oft nicht die gewünschten Eigenschaften der Edelsorte an Baum und Frucht gegeben.
Anfang des 20. Jhdt. wurden Unterlagen unterschiedlichster Qualität getestet und entwickelt, die insbesondere Vorteile aufwiesen in Wuchsstärke, Einsatzzeitpunkt von Ertrag, der Fruchtausbildung und auch der Baumgesundheit. Es waren in der Regel vegetativ vermehrte Unterlagen, die die Anlagen der Mutterbäume weitergetragen haben. Betrachtet wurden insbesondere Eigenschaften, die für unterschiedliche Bedürfnisse von Obstanbauern oder Ansprüche an Standort, Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit geeignet waren. Erste Obstanlagen mit niedrig wachsenden Bäumen wurden angelegt und in den schwächer wachsenden Unterlagen wurden Eigenschaften wie besonders gute Fruchtausbildung mit früh einsetzendem Ertrag gefunden.
Das schwächere Wachstum hat sich jedoch auch auf die Wurzelbildung ausgewirkt und so muss bei diesen Unterlagen auf gute Nährstoff- und Wasserverfügbarkeit geachtet werden. Diese Anlagen verlieren meist nach 25 bis 30 Jahren ihre Produktivität und werden ersetzt.

Warum wird veredelt

Apfelbäume sind autosteril – das bedeutet, sie können sich nicht selbst befruchten und benötigen zudem zur Befruchtung eine andere Sorte. Die Befruchtung durch fremden Pollen würde immer eine Mischsorte mit unvorhersehbaren Eigenschaften im Ergebnis bedeuten – ein Zufallssämling. Die sortenechte Vermehrung ist durch die generative Vermehrung, den Samen, nicht möglich.
Bei vegetativer Vermehrung, der ungeschlechtlichen Vermehrung durch Stecklinge des Mutterbaumes, gleichen sich deren Eigenschaften. Jedoch haben die Stecklinge hinsichtlich Wurzelbildung, Wachstum von Baum und Frucht oder Fruchtgröße meist nur die gewünschten Eigenschaften, wenn Sie mit geeigneten Wurzelunterlagen kombiniert werden. Ohne diese wären Verankerung im Boden, ausreichende Versorgung mit Nährstoffen oder gesundes Wachstum nicht immer möglich.

Biologische Grundlage

Der veredelte Baum setzt sich zusammen aus der wurzelbildenden Unterlage, auf die eine stamm- und kronenbildenden Edelsorte veredelt wird. Bei einigen Gegebenheiten wird ein dritter Partner, der Stammbildner, eingefügt; bspw. Bei einer Unverträglichkeit von Unterlage und Edelsorte. So bildet sich eine Lebensgemeinschaft, in der die Unterlage die Verantwortung für Wachstum, Verwurzelung und Verankerung in der Erde, sowie als Synthese- und Speicherorgan die Versorgung mit Nährstoffen und Wasser übernimmt.
Die Edelsorte ist belaubt, übernimmt somit die Photosynthese und produziert Assimilate, versorgt hierdurch alle Teile der Pflanze mit den notwendigen Baustoffen. Sie ist verantwortlich für die Wasserverdunstung und somit für den Nährstofftransport. Nicht zuletzt trägt sie die gewünschten Fruchteigenschaften.
Bei den verschiedenen Formen der Vereinigung von Unterlage und Edelreiser – dem Reis der Edelsorte - ist für das Gelingen immer Voraussetzung, dass eine möglichst große Kambiumfläche beider Teile aneinandergefügt werden. Das Kambium liegt unter Rinde und Bastschicht vor Beginn des Splintholzes. Es produziert zum Kern des Baumes hin Holzzellen des Splintholzes, über welches die oberen Teile des Baumes mit Wasser und Nährstoffen aus der Wurzel versorgt werden. Nach außen hin produziert das Kambium Zellen für die Bastschicht, in der die Assimilate aus der Photosynthese in die unteren Pflanzenteilegeleitet werden. Es ist also der Teil des Baumes, der für das Wachstum verantwortlich ist. An dieser Stelle muss eine aktive Verbindung entstehen, damit beide Teile miteinander weiterwachsen können.

Unterlagen

Wuchsstärke, Baumgröße, Standfestigkeit, Robustheit gegen Pilze und Frost, Ertragsbeginn und Lebenserwartung des Baumes werden entscheidend von der Unterlage beeinflusst. Sie können aus Sämlingen gezogen oder vegetativ vermehrt werden.
Sämlinge sind starkwüchsig, haben die stärkste Wurzelbildung und bieten den Bäumen nachfolgend die größte Standfestigkeit. Darum werden sie in der Regel für Streuobstbäume genutzt, da sie meist auch auf schlechteren Böden und mit trockenen Sommern zurechtkommen. Sie werden aus wenigen Sorten gezüchtet (Antonowka, Bittenfelder und Grahams Jubiläumsapfel), die aus Saatgutplantagen mit Beerntung ausgewählter Einzelbäume stammen. Sie sind nicht alle identisch, weisen aber möglichst einheitliche Eigenschaften auf.
Bei Unterlagen, die durch Stecklinge oder Absenker in Mutterpflanzenquartieren gewonnen werden, sind die Eigenschaften zur Mutterpflanze genetisch identisch. Von starkwachsenden Unterlagen für Streuobsthochstämme oder Halbstämme bis zum Buschbaum gibt es verschiedenste Typen für unterschiedliche Ansprüche.
Für den Erwerbsobstbau sind Kriterien wie Fruchtausbildung, Fruchtgröße und -qualität, hoher Flächenertrag, Resistenzen gegenüber ertragsmindernder Krankheiten oder einfaches Ernten von Bedeutung. Auf der Streuobstwiese sind gute Verwurzelung für Wasser- und Nährstoffversorgung sowie Standfestigkeit und gesundes Wachstum von Relevanz. Eine Edelsorte, die auf einer Sämlingsunterlage erst im 8. Bis 10. Standjahr mit dem Ertrag beginnt, trägt vielleicht auf einer schwachwachsenden Unterlage bereits im 2. Standjahr. Zudem kann die Fruchtausbildung bisweilen größer und besser sein als auf dem Sämling. Diese meist schwächeren Unterlagen haben jedoch meist einen deutlich höheren Anspruch an Haltesysteme, Bewässerung und Düngung bei einer geringeren Lebensdauer von bis zu 30 Jahren.
Bei Wahl der Unterlage kann eine grobe Entscheidung durch die gewünschte Nutzung für intensive Produktion, häusliche Verwendung, naturnahe Obstwiese oder Sortenerhalt getroffen werden.

tabelle_unterlagen.pdf
Unterlage/
Wachstum Baumform
geeignet Standfestigkeit/ Bodenanforderung Ertrag
Beginn/ Höhe Bemerkungen
Sämling
sehr stark Hochstamm, Halbstamm sehr standfest, auch schlechtere Böden, verträgt Trockenheit und Frost Spät/ unregelmäßig
Früchte teils kleiner virusfrei
A2
stark bis
sehr stark Hochstamm, Halbstamm standfest, auch schlechtere Böden, verträgt Trockenheit und Frost früh bis mittel/ gut
gute Früchte anfällig für Blutlaus und Kragenfäule
M11
stark bis
sehr stark Hochstamm,
Halbstamm standfest, frosthart, geringe Bodenansprüche Spät/ unregelmäßig
Früchte kleiner auf schlechten Böden gerne Wurzelkropf
M25
stark Hochstamm, Halbstamm standfest, frosthart, geringe Bodenansprüche früh/ gut
gute Früchte anfällig für Kragenfäule
MM111
mittel Halbstamm,
gut für Säulen standfest, frosthart
verträgt trocken und feucht mittelfrüh/ mittel b. hoch
gute Früchte blutlausresistent
M4
mittel Halbstamm, Buschbaum bedingt standfest
braucht gute Böden mittelfrüh/ unregelmäßig
gute Früchte
M7
mittel Halbstamm, Buschbaum bedingt Standfest
Schwere und leichte Böden mittelfrüh/ mittel
gute Früchte unempfindlich gegen Wechselfeuchte
MM106
mittel Buschbaum nicht standf, mittl. Böden, bei leicht. Böden Wuchs schwach früh bis mittel/ gut
gute Früchte leicht frostanfällig
M26
schwach Buschbaum nicht standfest, mittlerer An-spruch an Boden, winterhart früh/ hoch
gute Früchte Luftwurzeln empf. geg. Blutläuse, Feuerbrand
M9
schwach Buschbaum nicht standfest, braucht gute Böden, auch Topfanbau früh/ gut
sehr gute Früchte empf. für Trockenheit und Winterfrost
M27
schwach Buschbaum nicht standfest, durchlässiger, humoser und nährstoffreicher Boden früh/ gut, Früchte gut aber nicht bes. groß empf. für Trockenheit, Blutläuse, Feuerbrand

Edelsorte/ Edelreiser

Edelreiser können grundsätzlich von vorhandenen Bäumen entnommen werden. Voraussetzung ist, die Bäume sind gesund und noch ausreichend aktiv um ausreichend starke Triebe zu bilden. Bestenfalls besteht die Möglichkeit, die Bäume zu beobachten und deren Gesundheit einzuschätzen. Ansonsten können Edelreiser über Baumschulen bezogen werden, bei denen Viren- und Bakterienfreiheit gewährleistet werden können.
Die Edelreiser sollten unabhängig der Art der Veredelung aus der besonnten Kronenregion genommen werden. Wasserschosse aus dem Bauminneren sind von minderer Qualität.

a. Winterreiser für Frühjahrsveredelung - Kopulation

Hierzu eigenen sich einjährige Langtriebe, Vorjahrestriebe in einer Stärke von 0,5 cm bis 1 cm Dicke in der mittleren Länge. Sie werden in der Winterruhe der Bäume, bei Kernobst von Mitte Dezember bis Ende Februar, bei Steinobst bis spätestens Mitte Januar, geschnitten. Reiser dieser Triebstärke überstehen die Zeit bei sachgemäßer Lagerung meist bis in den April hinein. Dünnere, kleinere Reiser sollten früher schon veredelt werden.
Die Lagerhaltung sollte kühl, feucht und dunkel sein, um sowohl das Austrocknen der Reiser als auch einen vorzeitigen Austrieb zu vermeiden. Die Reiser verbleiben dann im Ruhezustand. Hierzu können die Reiser in einem kühlen dunklen Raum in feuchten Sand eingeschlagen werden, ist der Keller feucht genug, können sie auch mit feuchtem Tuch abgedeckt auf dem Boden gelagert werden. Sie können auch teils in feuchter Erde, geschützt vor Mäusen und Wildtieren, leicht abgedeckt im Freien gelagert werden. Die Lagerung in einem Obstlager sollte vermieden werden, da das freiwerdende Ethylen sie schädigen könnte.

b. Sommerreiser (für die Sommerveredelung – Okulation)

Die Sommerveredelung findet in den Baumschulen von Juni bis September statt. Die Reiser für die Sommerveredelung werden frisch geschnitten. Zur Veredelung selbst werden die schlafenden Augen unter dem Blattaustrieb verwendet. Genutzt werden gut ausgebildete und ausgereifte Triebe desselben Jahres. Die richtige Reife hat das Edelreis wenn es noch biegsam ist, im oberen Bereich jedoch abknickt, wenn es über einen Messerrücken gebogen wird. Basis und Spitze werden nicht genutzt.
Um Verdunstungsschäden zu vermeiden, werden alle Blätter sowie die nicht zu nutzenden Teile abgeschnitten oder abgelöst, das Reis in Wasser gestellt und am selben Tag zur Okulation genutzt. Kann dies nicht direkt geschehen, so muss das Reis feucht gehalten werden, indem es in feuchtes Moos/ feuchtes Tuch und in Plastikfolie eingeschlagen, im Kühlschrank aufbewahrt wird.

  1. Werkzeuge
    Das Veredelungsmesser muss abgestimmt sein auf die Art der Veredelung. Ein Kopuliermesser hat eine einseitig angeschliffene Klinge, um die Schnittführung bei der Kopulation zu ermöglichen. Hier gibt es gerade oder leicht gebogene Klingen (Okulierhippe) – seine Schneide ist meist etwas breiter geformt. Das Okuliermesser hat meist eine feinere Klinge, die leicht geschwungen ist. Sie ist ebenfalls einseitig angeschliffen. Zudem hat es meist zusätzlich ein Rindenlöser entweder an der Klinge angeschmiedet oder extra am anderen Messerende angebracht. Beide Messer gibt es für Rechts- und Linkshänder.
    Ein Abziehstein ist notwendig, um die Messer zu schärfen. Sie müssen regelmäßig mit Wasser auf der angeschliffenen Seite abgezogen werden um ihre Schärfe zu behalten.
    Ist die Veredelung hergestellt, werden Edelreis/ Auge und Wurzelunterlage miteinander mittels Bast oder speziellen Bindebändern oder Schnellverbindern aus Gummi fixiert. Bei einer Fixierung mit Bast wird mit breiteren, längeren Bändern gearbeitet, die eine gewisse Elastizität aufweisen und die Veredelungsstelle hierdurch ausreichend fixieren. Bindebänder, Fäden oder Manschetten aus Kautschuk haben den Vorteil, dass sie bereits für die jeweilige Veredelungsart vorgefertigt sind und zudem mit der Zeit brüchig werden und das Abschnüren der wachsenden Veredelungsstelle so vermieden wird. Bastverbindungen müssen immer nach erfolgreichem Zusammenwachsen der Veredelungsstelle aufgeschnitten werden.
    Um die Veredelungsstelle vor Verdunstung zu schützen, wird Baumwachs auf die Fixierung angebracht. Beim Kopulieren wird auch die obere Schnittstelle des Edelreis bestrichen um diese vor Austrocknung zu schützen.
    Bei Kopulation wird zudem eine scharfe Gartenschere gebraucht.

Veredelungsverfahren

Wir betrachten hier vor allem die Okulation und die Kopulation. Weitere Veredelungsarten können Sie in der im Quellenverzeichnis genannten Literatur finden.

a) Okulation

Die von den Baumschulen vornehmlich eingesetzte Veredelungsart. Ein schlafendes Auge wird vom Sommerreiser entnommen und in die Unterlage eingesetzt. Im folgenden Frühjahr treibt dieses Auge aus und aus ihm entsteht die Edelsorte.
Bei den unterschiedlichen Gehölzarten kann der Zeitpunkt der Okulation nicht frei gewählt werden. Die Rinde der Unterlage muss sich noch leicht lösen lassen und bei einigen Arten führt ein zu frühes Okulieren zur Abstoßung des Edelauges. Beim Apfel liegt die optimale Veredelungszeit im Juli/ August. Hier ist die Rinde noch elastisch und löst sich vom Holz.
Die Rinde wird mit dem Okuliermesser T-förmig eingeschnitten und gelöst; vom Edelreis wird ein Auge auf einem dünnen Rindenstück herausgeschnitten. Das Auge wird unter die gelöste Rinde der Unterlage eingesetzt und nachfolgend wird die eingeschnittenen Rinde darüber verschlossen, mit einem Gummiband fixiert und mit Baumwachs verschlossen. Die Knospe lässt man dabei offen.
Im Spätwinter oder Frühjahr wird der Unterlagen-Trieb oberhalb der Veredelungsstelle abgeschnitten und die Schnittstelle gut mit Wachs verstrichen.

Eine ähnliche und sehr einfache Veredelungsmethode ist die Chip-Veredelung. Hierbei wird die Unterlage schräg eingeschnitten und unten bis zum Schrägschnitt eingeschnitten, so dass das Holz freiliegt. Ein gleichgroßer Span aus der Unterlage wie auch aus dem Edelreis – hier mit Auge - geschnitten und ausgetauscht.
Da keine Rinde zu lösen ist, kann die Veredelung bereits in der Frühjahrszeit oder im Winter erfolgen.

b) Kopulation

Die Kopulation kann von Februar bis Mai durchgeführt werden. Bei Kopulation werden Unterlage und Edelreis schräg angeschnitten und diese Anschnitte zusammengefügt.
Um den Kopulationsschnitt zu üben, sollte man einige Reiser mehr schneiden, an denen man den schrägen Schnitt üben kann. Gerne nimmt man hier auch einige dickere, zweijährige Reiser, denn die Unterlagen aus der Baumschule sind oft etwas dicker und fester.
Vom Edelreis wird ein Teilstück mit einem Besatz von 3 bis 4 Augen genommen, welches bestenfalls gleich dick ist wie die Unterlage. Die Schnitte sollten gleich groß sein, damit nachfolgend die Schnittflächen bündig aufeinander liegen. Wichtig ist vor allem, dass die Flächen eben sind und nicht voneinander abstehen. Ist das Edelreis dünner, wird der Schnitt in gleicher Länge ausgeführt und die Schnittfläche nachfolgend unten und einseitig bündig auf der Unterlage fixiert.
Um die Verbindung möglichst stabil zu bekommen, sollte die Fläche mind. 3 mal so lang wie breit sein. Ist der Schnitt zu kurz, wird es schwierig, die beiden Teile gut zu fixieren. Passen die Schnittflächen gut aufeinander, wird das Edelreis auf 3-4 Augen zurückgeschnitten, die in der beginnenden Vegetationsperiode austreiben. Mit einem Gummiband werden die Schnittflächen fixiert und nachfolgend mit Baumwachs verstrichen. Über den gesamten Arbeitsprozess sollten die Schnittflächen nicht mit den Händen berührt werden.

Eine weitere Möglichkeit der Kopulation ist das Geißfuß-Pfropfen oder das seitliche Anplatten. Dies ist insbesondere für stärkere Äste interessant – wenn die Unterlage stärker ist oder ein stärkerer Ast umveredelt werden soll.

Nachsorge

Ist das Edelreis angewachsen, brechen die Knospen auf und es wachsen Triebe. Dies kann je nach Sorte und Wettereinfluss 3 bis 6 Wochen dauern.
Aber auch die Unterlage treibt aus. Damit die Triebe des Edelreises am stärksten wachsen, werden an der Unterlage zunächst alle Triebe bis auf ein oder zwei Stück nahe der Veredelungsstelle entfernt. Diese kürzt man ein, so dass sie unterhalb des Triebes des Edelreises bleiben. So versorgt der aufsteigende Saft zuerst die Edelreis-Triebe.
Bricht das Edelreis-Trieb oder das gesamte Reis stirbt ab, so kann auf einen stabil gewachsenen Trieb der Unterlage im Folgejahr wieder veredelt werden.
Erst wenn die Edelreis-Triebe verholzt und stabil sind, entfernt man auch die verbleibenden Triebe der Wurzelunterlage.
In den Folgejahren werden alle Konkurrenztriebe, die neben einem Haupttrieb gewachsen sind, entfernt oder auf ein bis zwei Augen eingekürzt. Schwache Triebe können bleiben.
Der Mitteltrieb wird nun ebenfalls deutlich (ca. 1/3 bis ½ ) eingekürzt. Das Dickenwachstum sowie der Neuaustrieb werden gefördert und gleichzeitig wird der Baum durch das Belassen schwacher seiten- oder Kurztriebe mit Blattmasse gut versorgt. Für die Erziehung zum Hochstamm wird dies wiederholt bis der Baum eine Höhe von ca. 2,20 bis 2,40 hat – hier kann nun der Pflanzschnitt erfolgen, der beginnt, das Kronengerüst des Baumes zu definieren. Beim Halbstamm kann früher mit der Erziehung der Leitäste begonnen werden.

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Hans Helmut Börner vom Kreisverband Obstbau, Garten und Landschaftspflege Odenwald-Dieburg für seine fachliche Unterstützung und die methodische Anweisung bei der Bekämpfung des Schwarzen Rindenbrandes. Des weiteren bedanken wir uns bei Dr. Jan Hinrichs-Berger vom LTZ Augustenberg, der uns Bild- und Infomaterial über den Schwarzen Rindenbrand zur Verfügung gestellt hat.

Quellenangaben Text und Fotos:
Schwarzer Rindenbrand an Kernobst, Johanna Brenner Beratungsdienst Ökologischer Weinbau, Weinsberg, Michael Nagel und Jan Hinrichs-Berger, Landwirtschaftliches Technologie Zentrum Augustenberg, Karlsruhe, Fachzeitschrift Öko-Obstbau, 1/ 2024; Diversität und Verbreitung von Diplodia spp. – dem Erreger des Schwarzen Rindenbrandes an Kernobst – in Deutschland, Julia Zugschwerdt, Kamilla Zegermacher, Gabriele Zgraja, Gritta Schrader, Clovis Douanla-Meli, Jan Hinrichs-Berger, LTZ Augustenberg, Karlsruhe, Julius-Kühn-Institut, Braunschweig, Journal für Kulturpflanzen, 75 (07-08). S. 196–201, 2023; Schwarzer Rindenbrand - Verwechslungsmöglichkeiten und Mischinfektionen, Schwarzer Rindenbrand an Kernobst, Michael Nagel, Dr. Jan Hinrichs-Berger, Herausgeber: Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg (LTZ), Neßlerstr. 25, 76227 Karlsruhe, Juni 2024; Sorten- und Standortunterschiede, Michael Nagel, Dr. Jan Hinrichs-Berger, Herausgeber: Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg (LTZ), Neßlerstr. 25, 76227 Karlsruhe, Januar 2025; Die größte Gefahr für Streuobstwiesen – Schwarzer Rindenbrand an Apfelbäumen und Birnbäumen, Kerstin Haugrund, Fachwartin, Förderverein Odenwälder Apfel e.V., 2021; Neuartiger Rindenbrand im Streuobstanbau, Oliver Martinez, in campus-magazin 3-2010, https://www.kirdorfer-feld.de/images/2011_Images/campus_magazin_03-2010.pdf;
Bildmaterial: Abb. 2 und 3 mit freundlicher Genehmigung von Herrn Dr. Jan Hinrichs-Berger; Abb. 4 mit freundlicher Genehmigung von Steffen Kahl

Kelterei Krämer, Anke Braun